Hintergrund des Textometers

Der Textometer dient dazu, die Verständlichkeit von Texten zu messen und/oder zu vergleichen. Natürlich kann er die tatsächliche Verständlichkeit eines Textes nicht vollumfänglich abbilden. Dazu würden auch andere Faktoren gehören, zum Beispiel die Kommunikationssituation, inhaltliche Fragen, die innere Logik des Textes, seine Gestaltung und etliches mehr. Um diese Faktoren auszuwerten, bedarf es mehr als einer Rechenmaschine – diesen Faktoren nehmen wir uns zum Beispiel in unseren Seminaren intensiv an. Es hat sich aber in der Forschung herausgestellt, dass einfacher Stil (messbar in der Länge von Wörtern und Sätzen) und die Verständlichkeit von Texten in den allermeisten Fällen korrelieren. Viele Blindstudien, in denen Probanden durch Lektüre und Bewertung von Texten deren Verständlichkeit gemessen haben, kommen signifikant zu den gleichen Ergebnissen, wie man sie parallel durch LIX, gSMOG oder die Wiener Sachtextformel erhoben hat. Man kann nur spekulieren, woran diese Korrelation liegt: Wir von IMKIS vermuten ganz einfach, dass, wer einfach schreibt, auch verständlicher schreibt. Dahinter steckt auch die Tatsache, dass jemand, der sich in Worten und Sätzen klar ausdrückt, zunächst einmal im eigenen Kopf Klarheit über die Tatsachen im Text erzielt haben muss. Die dritte mutmaßliche Kausalität liegt für uns darin, dass eifriges Ringen zum Gelingen führt – auch bei der Verständlichkeit. Wer an seinen Texten immer wieder an Satzbau und Wortwahl arbeitet, investiert Arbeit, die sich in Form von Verständlichkeit auszahlt. Zu diesem eifrigen Ringen soll der Textometer beitragen.

Neben den oben genannten Formeln zur Messung von Textverständlichkeit (LIX, gSMOG, Wiener Sachtextformel) gibt es noch zahlreiche weitere. Wir hätten für den Textometer einfach eine von diesen Formeln verwenden können. In unserer täglichen Arbeit und in unseren Seminaren sind wir aber oft auf Schwächen dieser Formeln gestoßen. Manchmal haben sich unsere Teilnehmenden trotz intensivsten Umformulierens von Texten schwer getan, ihre Ergebnisse zu verbessern. Das hat einen einfachen Grund: Die meisten dieser Formeln bewerten schon dreisilbige Wörter so schlecht, dass sich durch Satzbau kaum noch etwas retten lässt. Das finden wir nicht sinnvoll. Deshalb haben wir eine eigene Formel entwickelt, die wir Brunn-Liffers-Index (BLIX) nennen. Die Formel ähnelt klassischen Formeln, vereinfacht aber die Wortzählung (nur in Buchstaben) und bewertet lange Wörter erst ab einer Länge von 15 Buchstaben als schwer verständlich. Dieser Unterschied hat zur Folge, dass ein Text auch dann noch als einfach bewertet wird, wenn er einige wenige sperrige Wörter enthält. Die genaue Formel des BLIX ist kein Geheimnis – sie lautet: [Anzahl aller Wörter/Anzahl aller Sätze] + [Anzahl langer Wörter x 100/Anzahl aller Wörter]

BLIX und Textometer insgesamt sind eine Gemeinschaftsentwicklung der beiden Germanisten Katrin Liffers und Stefan Brunn mit der Kognitionswissenschaftlerin Hannah Molderings und dem Datenjournalisten Sebastian Mondial, der die Maschine mit Hilfe von KI auch programmiert hat.